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Normalerweise neige ich nicht zu der Auffassung, daß Musik etwas 'bedeuten' müsse. Eine Filmmusik kann allerdings nicht absolut sein. Sie ist gewissermaßen ein Spiegel für Stimmungen aus dem Film und gewinnt daraus ein Programm wie viele Kompositionen der romantischen Musik.
Die Musik zu Klaus Peter Kargers Film "Die treibende Kraft" ist im wesentlichen in drei nur sehr bedingt "romantischen" Phasen entstanden.
Eine während vielfachen Betrachtens des Filmmaterials stattfindende "Motivsuche" ergibt eine Sammlung von harmonischen Ideen, Akkordfolgen und melodischen Fragmenten. Bildfolgen, Farben und gewöhnlich auch Inhalte motivieren Klangvorstellungen - ich könnte dabei den Begriff "inneres Ohr" verwenden, den ich aber nicht weiter präzisieren kann.Speziell bei einem Film über eine Künstlerin und ganz speziell einem Film über Angelika Nain denkt man dabei über Analogien zwischen Bild und Musik nach: Töne ... Farben ... Farbtöne ... Klangfarben ... zwei Farben, die kontrastieren, erdiges Braun, strahlendes Blau ... dorisches Moll, lydisches Dur ...
Völlig losgelöst vom Filmvorbild geht es in einer zweiten Phase an die musikalische Ausarbeitung - ein rein kompositorischer Vorgang, der darin besteht, Beziehungen zwischen Motiven zu suchen, harmonische und melodische Abläufe zu konkretisieren, rhythmische und metrische Entscheidungen zu treffen, eine Instrumentierung zu finden. Für die ruhigen, stimmungsvollen Passagen in „Die treibende Kraft“ habe ich mich für die einfachste Instrumentierung, Klavier solo, entschieden und konnte gleich eine erste Einspielung vorzunehmen.
Nach Absprache mit dem Regisseur (und dem ersten Verriss - im Falle von Klaus Peter zum Glück eine maßlose Übertreibung) folgt eine sehr technische dritte Phase: Anpassung an exakte Zeitraster, Tempo von Bildfolgen, Lautstärkeverhältnisse im Film, ...Mit etwas Glück konnten größere musikalische Korrekturen vermieden werden.
Am Ende sind aus all diesem die beiden Titel "Two Colors" (Filmanfang und –mitte) und "One Year And One Day" (Filmende) hervorgegangen.
Über deren Bedeutung darf nun der Filmbesucher mit Auge und Ohr nachdenken.
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